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Autorin 2017-12-11T14:55:34+00:00

Vom Kreuzritter zur Schriftstellerin

Ich war ein Kreuzritter. Ein schwuler Kreuzritter, und das erklärt so manches. Ich kämpfte bei Akkon, stürmte mit dem Schwert in der Hand durch die Stadt, war Zeuge von Plünderungen und Gräueln, die Sieger nach einer viel zu langen Belagerung begehen. Ich kehrte nicht in meine Heimat zurück, ich hatte auf dem Kreuzzug den Sinn meines Lebens verloren. Und in den Trümmern der Stadt meine Bestimmung gefunden.

Das ist über achthundert Jahre her. Heute lebe ich ein weit zivilisierteres Leben und mache derartige Erfahrungen nur im geschützten Bereich an meinem Computer. Obwohl … Wie geschützt bist du wirklich, wenn du tief in deine Figuren eintauchst? Wenn sie dich in deine Tag- und Nachtträume hinein begleiten und Leben annehmen?

Die Schlacht um Akkon erlebte ich in einer Rückführung in ein früheres Leben. Auf diese Rückführung ließ ich mich nicht ein, weil ich extrem esoterisch veranlagt wäre oder an Wiedergeburt glaube, auch nicht, weil ich mich für Napoleon oder für Kleopatra oder sonst eine aufregende Figur der Geschichte halte. Ich bin einfach neugierig und verspielt und ich habe einen deutlichen Hang zum Abenteuer – zum virtuellen zumindest 🙂

Genau das liebe ich am Schreiben! Meine Geschichten sind Abenteuer, nach denen ich mich sehne und in denen ich selbst mitspiele. Wenn ich schreibe, dann lebe ich in der Geschichte, dann bin ich selbst die Figur. Und so bin ich zwar im bürgerlichen Leben Barbara Drucker, aber genauso gut Riccardo Visconti Marchese della Motta, der adlige Spion aus dem achtzehnten Jahrhundert. Alexander Merahwi, der Hai. Oder András Szarköszy, der Vampir. Ich lebe, liebe und leide mit meinen Figuren und hoffe, dass es dir genauso geht.

Von Erwartungen und Bestimmungen

Barbara Drucker - Kostümfoto mit Dreispitz und Rapier

Auf dem Kreuzzug hörte ich sehr oft eine innere Stimme. Es ist falsch, redete sie mir immer wieder ins Gewissen. Diese Stimme kenne ich auch aus meinem bürgerlichen Leben. Erst flüsterte sie noch verzagt, dann wurde sie immer lauter, bis sie mir in die Ohren schrie. Erst sehr spät jedoch fasste ich den Mut, mich zu meiner Leidenschaft für spannende Unterhaltungsliteratur zu bekennen und sie zu meinem Lebensinhalt zu machen. Erzählte ich früher die Geschichten mir selbst oder spielte sie vor dem Einschlafen in meinen Gedanken, sitze ich heute beinahe jeden Tag am Computer und bin süchtig danach, sie auf Papier oder in Bits und Bytes zu bannen.

Im 20. und 21. Jahrhundert war ich natürlich nicht Kreuzritter, bevor ich mich ganz dem Erzählen von Geschichten verschrieben habe. Die Hard Facts findest du hier. Du kannst dir meine Kurzvita und meine ausführliche Biografie übrigens im Pressebereich herunterladen.

1968 in Wien geboren, wuchs ich in einer jener Städte auf, aus deren DNA Kultur nicht wegzudenken ist, und wurde entsprechend früh kulturell gefördert. Geschichten ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben: Einer der ersten und tiefsten Eindrücke brannte sich mir beim Vorlesen ein, heute zieht sich die Farbsymbolik von „Schneewittchen“ durch meine eigenen Texte. Die Lektüre von Karl Mays „Winnetou“-Romanen begründete mein Faible für Abenteuer-Literatur, mein Heldenbild wurde durch Homer und durch die Sagen der griechischen Antike geprägt. Bücher spielte ich in Gedanken nach und in Rollenspielen weiter, bei Theaterspielen auf Jungscharlagern war ich auf zwei Rollen abonniert: Den Bösewicht und den Bühnenautor.

Den zweifellos größten Einfluss auf mein Schaffen verdanke ich meinem großen Vorbild Friedrich Schiller, über den ich auch promovierte („Despot der Freiheit. Schillers Rhetorik im Spannungsfeld zwischen Freiheitsethos und Rezeptionssteuerung“). Seine kraftvolle Sprache, seine psychologisch angelegten Charaktere und sein gewaltiges dramatisches Talent dienen mir noch heute als Leitstern. Ich beschäftigte mich mit Wirkungsästhetik, veröffentlichte literaturwissenschaftliche Aufsätze, sprach auf internationalen Kongressen, lehrte Literaturwissenschaft an der Universität Wien und verfasste Essays für das populärwissenschaftliche Fachmagazin KARL MAY & Co. Über dieses fand ich auch den Mut zu eigenen belletristischen Texten: Von einem Fanfiction-Verlag angesprochen, schrieb ich drei Winnetou-Erzählungen, bevor ich mit „Das Gift der Schlange“ als Romanautorin debütierte.

Meine theoretische und wissenschaftliche Ausbildung rundete ich durch etliche Schreibseminare ab und absolvierte selbst beim Berufsverband österreichischer Schreibpädagogen (BOeS) die Ausbildung zur Schreibtrainerin. Aus meinem Brotberuf – ich leitete mehr als ein Jahrzehnt das Rechnungswesen eines großen Wiener Museums – stieg ich 2013 aus und gründete mein erstes Unternehmen als Image Consultant. Dabei entdeckte ich einmal mehr, dass meine wahre Leidenschaft der Inszenierung einer Geschichte gilt. Heute widme ich mich leidenschaftlich dem Erzählen fesselnder Storys.

Was ich mit meinen Helden gemeinsam habe

Wie der Marchese kann ich mich in Kunst und Musik verlieren. Nicht von ungefähr sind meine Helden oft Dandys, denn auch ich habe ein Faible für stilvolle, elegante Kleidung. Schönheit und Ästhetik brauche ich um mich wie die Luft zum Atmen.  Ästhetik ist für mich auch ein wesentlicher Grund, Abenteuerszenen in der Vergangenheit spielen zu lassen, denn ein Fechtkampf ist einfach viel eleganter als eine Schießerei mit Maschinenpistolen. Und weil ich oft gefragt werde: Ja, ich kann mit dem Rapier auf meinem Autorenfoto umgehen! Für die Marchese-Reihe lernte ich nämlich selbst historisches Fechten.

Ich wohne allerdings weder in einem Museum noch in einem Schloss, auch nicht umgeben von Stilmöbeln und Antiquitäten, sondern teile meinen Stil eher mit Alexander Merahwi, dem Helden aus „Shark Temptations“. Wie er liebe ich eine Mischung aus Purismus und Stilbrüchen. Meinen Arbeitsplatz kannst du dir hier ansehen.

Was ich liebe, aber nicht schreibe

Ich lese sehr gerne Wirtschafts- oder Anwaltsthriller, doch mir fehlt die genaue Kenntnis dieses Milieus. Allenfalls könnte ich dich mit Klischees abspeisen, da verweise ich dich viel lieber auf Könner ihres Fachs, wie John Grisham, dessen „Firma“ zu meinen Lieblingsromanen gehört. Sehr gerne würde ich einmal ein Theaterstück oder ein Drehbuch schreiben, es käme meiner Lust auf starke Bilder und Dialoge entgegen. Allerdings reden hier die Auftraggeber sehr viel mit und ich bin mir nicht sicher, ob meine Haut dick genug ist, um Eingriffe in meine Storys auszuhalten. Aber ich träume den Traum wohl jedes Schriftstellers: Meine Romane auf der großen Leinwand oder in einer Qualitätsserie zu sehen, würde mein Herz aufgehen lassen und mir Flügel verleihen.

Was ich gerne gefragt werde

Ein paar typische Autorenfragen stellt man mir immer wieder:

Ich liebe historische Fiktion, weil sie mir einen realistischen Abenteuerraum eröffnet und die Geschichten um Freundschaft und Treue, um Opferbereitschaft und Größe, den Kampf gegen äußere Feinde und innere Dämonen mit einem Hauch von Exotik und dem Duft vergangener Zeiten würzt. Ich begeistere mich für bildgewaltige Inszenierungen, für Kostümschlachten und starke Charaktere. Ich habe ein Faible für Helden, aber ich thematisiere auch gerne die Schattenseiten von Heldentum. Die Einsamkeit, den eigenen Ehrenkodex, die tiefe Kluft zwischen Erwartungen und den persönlichen Wünschen.

Liebe hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Spannung auch nicht. Aber beides lebt von starken, charismatischen Figuren. Ich schreibe am liebsten über männliche Protagonisten, also was lag näher, als einmal zwei Männer auch romantisch aufeinander treffen zu lassen? Es erforderte eine gehörige Portion Mut, mich öffentlich dazu zu bekennen, aber ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Wenn du dir schmuddeligen Voyeurismus erhoffst, muss ich dich aber leider enttäuschen, denn diese Romane richten sich gleichermaßen an Fans des Genres wie an aufgeschlossene Leser von Hetero-Romanen. Der Beziehungsanteil ist in diesen Geschichten etwas höher als in den Mantel-und-Degen-Abenteuern des Marchese, doch auch hier kommen Action und Spannung nicht zu kurz.

Ich halte wenig von Schnellschüssen, die wie am Fließband produziert werden. Ein guter Roman braucht Zeit und bei mir bedeutet das etwa 18 Monate, in denen ich mich fast täglich dem Plotten, der Entwicklung der Figuren und dem Schreiben der Rohfassung widme. Im historischen Setting ist der Rechercheaufwand höher und natürlich muss der erste Entwurf auch sorgfältig überarbeitet werden. Über manche Stellen gehe ich mehr als zehnmal drüber, aber drei Überarbeitungen sind das Minimum, damit ein Text rund ist und sich geschmeidig und spannend liest.
An Liebesszenen und an Actionszenen, in beiden Fällen geht es nämlich um sehr viel Emotion. Leser sollen sie selbst erleben können und dazu muss alles stimmen: Der Inhalt an sich, die Perspektive, Tempo und Rhythmus, jede kleinste sinnliche Wahrnehmung, der Klang jedes Wortes. Es ist ein Unterschied, ob man einen Kampf oder eine Verfolgungsjagd beobachtet, oder ob man selbst kämpft oder rennt. Die Gedanken werden kürzer und erfassen nur mehr das Wesentliche, also das, was das Überleben sichert. Genauso ist es bei Liebesszenen: Was man beschreibt, driftet leicht ins Geschmacklose oder Pornografische ab oder bleibt klischeehaft und hölzern. Wenn ich solche Szenen aber aus dem Inneren einer Figur heraus schreibe, knistert es.

Sex und Gewalt sind in unserer Kultur schon dermaßen enttabuisiert, dass man sie entweder nicht mehr wahrnimmt, oder zu immer drastischeren Mitteln greift, ich sage nur Erotik- oder Splatterroman. In fast jedem historischen Roman wird die weibliche Hauptfigur vergewaltigt – ohne dramaturgische Notwendigkeit, ohne Auswirkung auf ihre Psyche oder ihr Gefühlsleben, rein als Effekt. So etwas lehne ich grundsätzlich ab.

Ich nutze Sex und Gewalt zur Charakterisierung von Figuren und ich mache sie erlebbar. Das ist das Gegenteil von Voyeurismus, denn es erzwingt die emotionale Beteiligung des Lesers aus der Sicht des Opfers. Dass das unangenehmer als ein Klischee oder reißerische Überzeichnung ist, kann ich verstehen. Distanz halte ich hier aber für gefährlich, weil sie verharmlost und abstumpft.

Die Verringerung der Distanz erwähnte ich schon, ich hole die Leser ganz nah an meine Figuren heran, optimalerweise sogar in die Figur hinein. Außerdem spielt die Musikalität von Sprache bei mir eine zentrale Rolle. Tempo, Rhythmus und Klang sind ganz wesentliche Elemente, mit ihnen erzeuge ich Sog, verschaffe Atempausen oder jage den Puls in die Höhe.
Mein großes Vorbild ist Friedrich Schiller, über den ich auch promoviert habe. Neben seinen psychologisch ausgefeilten Figuren faszinieren mich sein Bekenntnis zu Autonomie und zum Wollen und seine Theorie vom ganzen Menschen. Er ist für mich einer der ganz großen Denker. Seine Sprache ist unglaublich kraftvoll und sehr stark rhethorisch geprägt, er war ein Meister der Dramaturgie, der prägnanten Wortwahl und natürlich des Dialogs.

Der zweite Schriftsteller, der mich beeinflusst hat, ist Karl May. Kein Dichter, sondern ein Trivialautor, er zog mich in die Abenteuerwelt hinein und manche meiner Figuren haben Züge von Winnetou. Sowohl Schiller als auch Karl May verdanke ich mein Freundschaftsideal und die Idee von Ehre und Loyalität.

Von den zeitgenössischen Autoren hat keiner einen dermaßen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen. Elizabeth George inspiriert mich mit ihrer akribischen Figurenzeichnung, John Grisham mit seinem Spannungsaufbau. Sonst sind es eher einzelne Bücher, in denen mir beispielsweise Ironie oder ein sehr feinsinniger Humor auffallen.

Eindeutig Marquis Posa (aus Schillers „Don Karlos“), der läuft sogar Winnetou den Rang ab. Er ist herrlich ambivalent, geht für seine Überzeugung bis ans Äußerste und zeigt auch die problematischen Züge eines Helden. Seinetwegen machte ich Riccardo Visconti übrigens zum Marchese.
Auf jeden Fall in den Marchese! Ob ihn ein anderer Protagonist einmal vom Sockel stoßen wird, kann ich noch nicht sagen, leicht wird es jedenfalls nicht. Ich mag aber fast alle meiner Figuren, auch die bösen. Perdido in einer Winnetou-Fanfiction hatte ich fast lieber als Winnetou, obwohl er das personifizierte Böse war. Sehr gerne habe ich Giacomo, den Diener des Marchese.

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